Mein Wort zum Sonntag - "Mangel" - der besondere Antriebsmotor

Antriebsmotor Mangel

Das Thema "Mangel" beschäftigt mich in den letzten Wochen sehr. Es wird also Zeit, diesem ein bisschen auf den Zahn zu fühlen und eventuell Positives zu entdecken.

(Große) Kinder suchen unbewusst - angetrieben vom Mangel

Wenn ein geliebter Mensch gegangen ist, bereitet dieses Fehlen einen tiefen Schmerz. Jeder hat bestimmt schon einmal unter irgendeinem Mangel gelitten und wird bestätigen können, dass es nicht die materiellen Dinge sind, deren "Fehlen" oder "Nicht-Haben-Können" besonders schmerzhaft ist. Es ist all das, was man eben nicht kaufen kann, das, was unser Herz berührt und uns damit verletzlich macht.

In der Entwicklung eines Kindes kann der Mangel an Zuwendung, Anerkennung, Körperkontakt und Liebe große Spuren hinterlassen. Das ganze Erwachsenenleben könnte dann zum Beispiel vor allem aus der Suche nach dem Verlorenen bestehen. So ersetzt beruflicher Erfolg vielleicht die Anerkennung durch den Vater oder teurer Schmuck/Luxus die mangelnde Zuwendung/Zeit der Eltern.

Natürlich passiert dies unbewusst, aber im Laufe des Lebens kommt irgendwann einmal ein Moment oder ein Ereignis, wo wir beginnen unser Leben zu hinterfragen. (Wenn wir immer unserem eigenen Entwicklungsplan gefolgt sind, wird es nichts geben, was hinterfragt werden müsste.)

Habe ich die richtigen Ziele und Wege für mich gewählt? Was habe ich denn nun wirklich erreicht? Bin ich glücklich? Was hatte ich mir von all dem versprochen?

Sobald ich erkenne, was mich angetrieben hat all die Jahre und wie wenig zufrieden es mich gemacht hat, kenne ich den Mangel und meine Achillesferse, der/die mein Motor gewesen sind. Ich kann mich dann neu entscheiden und eventuell andere Wege ausprobieren, andere Ziele anvisieren und mich für Fülle und Freude öffnen, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Mein Antriebsmotor ist dann von mir selbst getrieben und nicht mehr beeinflusst von anderen bzw. von der Vergangenheit.

Antriebsmotor ich

(Große) Kinder finden bewusst - angetrieben vom Mangel

Mittlerweile lerne ich den Mangel immer mehr zu schätzen. Wir streben alle nach der Fülle und übersehen dabei sehr viel: Alles das, was wir bereits schon haben! Erst wenn etwas fehlt, wird die wirkliche Bedeutung sichtbar - vorher ist es so selbstverständlich, dass wir es nicht mehr bewusst schätzen.

Im Leben passieren oft Dinge, wo die Chance für mehr Bewusstheit besteht. Etwas fehlt auf einmal, wir werden ausgebremst und müssen etwas akzeptieren oder verändern. "Mangel" ist der Gegenpol zur "Fülle" und damit bedingen sie sich gegenseitig. So wie zwischen dem negativen und dem positiven Pol Strom fließen kann, bringt uns der Mangel auch in Bewegung.

Kreativität entwickeln - weniger ist mehr!

Beim Spielen im Wäldchen mit meinem Enkel haben wir viel Freude daran, aus Baümen, Blättern, Zweigen, Steinen, Früchten, Samen... das fehlende "Spielzeug" zu ersetzen. Mal haben wir ein Piratenschiff und brauchen Waffen, Ferngläser und einen Ausguck. Dann wohnen wir als Zwerge in Baumhöhlen und kochen uns ein Zwergenmenue. Egal was uns fehlt, wir ziehen los in dem Wissen, dass uns schon etwas einfällt. (Dies gilt auch für Spiele "drinnen") Das ginge nicht, hätten wir bereits alles da!

Wir finden immer eine Lösung!

Da ich bereits an anderen Stellen dazu geschrieben habe, hier noch kurz mein eigenes Beispiel mit den Wildpflanzen. Um Geld zu sparen (mein aktuelles Mangelfeld), experimentiere ich mit allem Essbaren, was mir unser Planet liefert. Zusätzlich auch mit all den anderen segensreichen Möglichkeiten aus der unmittelbaren Natur für Heil- und Putzmittel, Tee, Zahncreme, Waschmittel...

Gelesen habe ich schon viel darüber, aber jetzt probiere ich mit Freude alles Mögliche aus. Zusätzlich tue ich etwas für meine Gesundheit, für Nachhaltigkeit und für Selbstversorgung Mein Blog-Tipp "Smarticular"

Dankbarkeit

Dankbarkeit entwickeln - nichts ist selbstverständlich!

In Krisenzeiten wird einiges neu beleuchtet, Vieles ist in Bewegung und ordnet sich neu:

Welches sind wirkliche Freunde, die zu mir halten, egal was los ist?

Ich bin dankbar für all die Unterstützer in den letzten Monaten - einige sind durch unsere Trennung mit verschwunden, dafür habe ich auch neue dazu gewonnen. Ich bin dankbar für diesen frischen Wind in meinem Freundeskreis.

Was brauche ich wirklich an materiellen Dingen?

Da mein Auszug in sehr kurzer Zeit stattfand, musste ich mich von vielen Dingen trennen. Natürlich gibt es das ein oder andere, das mir wirklich fehlt (mein Einkochtopf!), aber im Großen und Ganzen komme ich mit dieser stark reduzierten Situation gut klar - anders eben:

Mein Reich ist kleiner und überschaubarer geworden. Dafür schätze ich jetzt jedes Teil, dass es zu mir in die Wohnung "geschafft" hat. Ich erfreue mich an ihnen und bin dankbar für alles, was mich jetzt umgibt. Beim Aussortieren ist mir Einiges überraschend wieder begegnet - so nach dem Motto: "Ach, das gibt es auch immer noch?" Heute habe ich eigentlich nur so viel in meinem Reich, dass ich es auch wertschätzen kann und nutze.

Wie machte man das früher?

Auch alte Fertigkeiten wie nähen, stricken und stopfen kommen wieder zum Einsatz, bevor ich etwas Neues kaufe. 😉 Kaffee kochen geht auch ohne Maschine sehr gut, eigener Kuchen ist günstiger und eigentlich schnell gemacht, schmeckt gut und ich weiß, was drin ist!

Früher gab es weniger Elektrogeräte und Vieles wurde noch per Hand gemacht. Wenn heute eine Woche lang der Strom ausfällt, wie sähe die Welt dann aus?!

Ist deshalb jetzt jeder täglich dankbar für den Strom???? 😉
  • Dankbar für all die vielen Helferlein in Haushalt, Büro und Garten?
  • für die gewonnene Mobilität durch Autos, Flugzeuge etc.?
  • für die vielen Services zum Zeitsparen (Fastfoodketten, Tiefkühl- und Fertigprodukte, Onlineservices (Einkaufen, Kontoverwaltung, Spielen, Videos, Musik, Kommunizieren...)?

Die Liste ist noch viel länger. Wir nehmen so Vieles als gegeben hin - ohne besondere Wertschätzung. So ist es mit Dingen, Services und auch oft mit Menschen, die einfach ganz "normal" zu unserem Leben dazu gehören.

Auch ohne die Erfahrung des Mangels oder Verlustes macht es Sinn, sich einmal vor Augen zu halten, was wir bereits alles haben und nutzen, ohne uns viel dabei zu denken. (Das tut unserer Umwelt nämlich oft nicht gut - aber das ist ein anderes Thema.)

Wertschätzt all die Helferlein in eurem Leben - es muss auch nicht immer wieder das Neuste und Beste sein. 😉

Schaut auf die positiven Seiten und freut euch über eure Partner/Kinder/Freunde/Kollegen/Nachbarn!

Sei dankbar, wann immer du dich freuen kannst! Freu dich, wann immer du dankbar sein kannst!

Fazit: Entwicklungschancen bewusst wählen aus der Fülle von Möglichkeiten:

Bitte beachten Sie die positiven Nebenwirkungen von Mangel: Kreativität, Flexibilität, Selbstbewusstsein, Klarheit, Selbstbestimmung, Dankbarkeit, Wertschätzung, neue Blickwinkel, vom Sucher zum Finder!

Als negative Begleiterscheinungen kann der Mangel Gefühle von Schmerz, Scham, Schuld, Trauer, Wut, Verzweiflung, Minderwert, Einsamkeit, Opfersein und Ohnmacht hervorrufen.

steem on

Foto: Pixabay Collage: Canva

Mein Wort zum Sonntag:

Episode 1 Was ist ein Mensch wert? Episode 2 Wem nutzen Froh-Sinn und Spiel-Chaos auf Steemit? Episode 3 Steemit - Quo Vadis? Episode 4 Mensch - Quo Vadis? Episode 5 Bildung - Quo Vadis? Episode 6 Die Kunst des Schreibens - Erwische den richtigen Flow Episode 7 Prioritäten - Flow oder Perfektion? Episode 8 Alles Leben kommt aus der Natur Episode 9 Der Ton macht die Musik Episode 10 Kinder als Zielgruppe im Visier Episode 11 Regenbogen und Zebra als Freund und Helfer bei Stimmungstiefs Episode 12 Train your brain Episode 13 Urlaub - Steem ON und Steem OM Episode 14 Thanksgiving - Erntedank Einmal im Jahr dankbar sein Episode 15 Egal was kommt, mach was draus! Episode 16 Große und kleine Abschiede fordern Episode 17 Naturwissenschaft braucht Beziehung zur Natur Episode 18 Leere Episode 19 Schule spielen Episode 20 Klarheit fordert mich Episode 21 Was ist bloß los mit mir? Episode 22 Warum ich mir Tags für Kommentare wünsche Episode 23 Human Beings oder Human Doings Episode 24 Sätze, die zurück ins Leben bringen können Episode 25 Abschiednehmen mit Herman Hesse, Echt und mehr... Episode 26 Warum Lob unsere Entwicklung hemmt Episode 27 Was ist bloß mit meinen Erinnerungen los? Episode 28 Kinder brauchen#1 Märchen Episode 29 Kinder brauchen #2 Grenzen Episode 30 Kinder brauchen #3 Gesunden Menschenverstand Episode 31 Kinder brauchen #4 Einfühlungsvermögen Episode 32 Kinder brauchen #5 eine Gesellschaft, die Kinder wertschätzt Episode 33 Kinder brauchen #6 Spiel und Kreativität für Lernfreude Episode 34 Nur der Mensch kann Fragen stellen...


Comments
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  • @cultus-forex
    Du hast ein kleines Upvote von unserem Curation – Support – Reblog Account erhalten. Dieser wurde per Hand erteilt und nicht von einem Bot.
    Du findest uns im Discord unter https://discord.gg/Uee9wDB

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  • @commentcoin

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  • @investinthefutur

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  • @ohthom72

    Hu hu kadna Ich lass dir mal ein Upvote da Wünsche dir noch ein nettes Wochenende 😇😇😇😇 Und tschüss!

  • @johnboywalton

    Schön geschrieben! 👍

  • @gaich

    Die Idee, dem Mangel etwas Gutes ab zu gewinnen, finde ich sehr gut. Ich komme da mal wieder mit der Natur. Eine Pflanze, die unter optimalsten Umständen groß wird, ist niemals so widerstandsfähig, wie eine, die bereits Durststrecken durchlebt hat! Schöner Post! LGG

  • @alucian

    Hab mir das jetzt zum guten Morgen rein gezogen. Das war kein falscher Start in den Tag. Hab dich lieb, danke dafür. Und lass es dir an nichts all zusehr Mangeln. ;-)

  • @mima2606

    Bin wie immer begeistert von Deiner positiven Sicht. Und wenn ich mir die Links anschaue dann kann ich mit bestem Gewissen sagen, das nicht nur dieser Beitrag einen Mehrwert für die Chain bedeutet sondern der User kadna! Noch einen schönen Sonntag.

    LG Michael